Unser Glühweinstand

Glühwein vom Feinsten

 

Das war eine Idee von Hans Dieler, der in Vorbereitung seines Präsidentenjahres 1994/1995 des Öfteren am späten Nachmittag zu mir in die Apotheke kam und über die Vorstellungen zum Glühweinstand, den Betrieb, aber auch vom alkoholfreien Getränk sprach. Wir erinnerten uns, dass ein ähnliches Hands on Projekt 1985/1986 am Widerstand einiger älterer Clubmitglieder gescheitert war und das sollte uns nicht passieren. Ich versicherte Hans meiner Unterstützung für das Vorhaben, auch über sein Jahr hinaus, die Vorbereitungen liefen und meine Idee, die Gewürze einzig für unseren Stand original herzustellen, wurde akzeptiert; sonst hätte es ja wie bei anderen Anbietern geschmeckt, die industriell vorgefertigte Mischungen verwendeten. Es war auch über all die Jahre ein gern gehörtes Kompliment:“ nur der schmeckt, also ein Glühwein mit Prädikat“.

An einem Nachmittag mit IW- Kindern in unserem Apothekenlabor 1984 erinnerte ich mich den Kleinen Geschmacks- und Geruchsproben näher gebracht zu haben; u.a. eine Glühweingewürz Mischung, deren Bestandteile ich nun, heute, gerne bekanntgeben will.

HIER: Rezept Kinderschrift 1 & Rezept Kinderschrift 2

Ich zitiere hier nachfolgend einige Zeilen des Wissenschaftsjournalisten Norbert Lossau aus „Die Welt“: „Die Gewürze und Aromen sowie der Zucker spielen natürlich im Glühwein eine große Rolle, doch physikalisch betrachtet, ist Glühwein in erster Linie eine Mischung aus Wasser und Alkohol. Diese beiden Flüssigkeiten sind in jedem beliebigen Verhältnis miteinander mischbar. Wer Glühwein zubereiten möchte, sollte wissen, dass der Siedepunkt von Alkohol bei 78,3 Grad Celsius liegt. Ab dieser Temperatur entweicht also das Ethanol. Wird der Glühwein zu lange oberhalb dieser Temperatur geköchelt, erhält man einen alkoholfreien Würztrunk.“ Es wurde in all den Jahren von den Freunden die vorgegebene Rezeptur mit den Mengenangaben sorgfältig eingehalten!!

In den ersten drei Jahren (Dieler, Büsch, Kluge) schleppte Dietmar Klein einen Verkaufsanhänger von Coca-Cola an den vier Adventswochenenden mit seinem Kleinbus auf den vorgesehenen Platz vor der Sparkasse, der Stand wurde geschmückt und ausgerüstet zum Abverkauf, um nach dem Wochenende wieder auf seinen „Parkplatz“ am Halfmannshof zu kommen. Über die Verkaufserfolge wurde beim Meeting wöchentlich berichtet. Den Dienst leisteten wir zusammen mit unseren Frauen; ich füge hier wahrheitsgemäß, aber ohne Hintergedanken, ein: es gab keine Spülmaschine!

HIER: Fotos Hilkenbach & Mischen sowie Foto Glüweinstand gesamt

Der gemeinsame Einsatz machte Spaß, er führte die „Mannschaften“ auch darüber hinaus zusammen, weil wir ja zum Wohle anderer Menschen etwas taten, was wir so nicht gelernt hatten. Mit dem Erfolg ergaben sich aber auch Herausforderungen, die wir so nicht erfüllen konnten. Der Marktbetreiber verlangte einen ganzwöchentlichen Betrieb und das war mit unserer „Coca-Cola- Karre“ nicht zu machen. Im Jahr 1997 „schenken oder spendeten“ Rudi Heib und Uwe Roth dem Club einen Container, der zum Glühweinverkauf mit einer Spülmaschine ausgerüstet war und viele Jahre seinen Dienst tat. Der damalige Präsident Fritz Dietrich mochte das großzügige Geschenk nicht so einfach annehmen und kam mit uns Freunden überein eine Aktie zum „Nutzen für den Glühweinstand“ herauszugeben und zu verkaufen (siehe Anlage, dazu die „Akteure“).

HIER: Aktie

Im Jahr 2000, dem Eintritt von Thomas Gill, kamen wir in den Genuss neuer Aufnahmebehälter für die Glühweinkräuter, die „alten Teesiebe“ hatten sich als nicht sehr praktikabel erwiesen, denn wenn sich die Kräuter im Warmen ausdehnten und so gelegentlich, das System öffneten, schwammen die Kräuter im Wein, man kann sich so eine „Schweinerei“ (Betriebsunfall?) leicht vorstellen. Das Besondere in diesem Jahr aber war, dass wir für die angebotenen „Schmalzstullen“ nun eine jährliche Spende von Prünte Erzeugnissen bekamen, die von unseren „Umtrunkgästen“ gerne verzehrt wurden. Zu seinem 50. Geburtstag lud Klaus Hermandung die erwarteten Gäste in einem Extrazelt auf einen „Nikolaus-Trunk“; Manfred Geldbach holte seine Belegschaftsmitglieder nach der Betriebsversammlung vor Weihnachten an den Glühweinstand und so mehrte sich das „Spendenaufkommen“; mittlerweile hatten wir 1998 einen, aus steuerlichen Gründen notwendigen, „Hilfsverein“ gegründet. Wir verkauften Glühweingutscheine 10 plus 1 und reduzierten die Menge der Gewürze auf 23,0 pro Ansatz bzw. 12,0 beim Saft, allerdings sollten die Beutelchen über die gesamte Zeit im Ansatz mitköcheln, was zu Diskussionen führte, ebenso wie die Preisgestaltung für das Pfand der Becher.

Im Spätherbst 2004 gab es eine Warnung über chinesischen Zimt in Backwaren zur Weihnachtszeit. Diese Zimtsorte ist wegen ihrer Cumarin Anteile nicht ganz ungefährlich für den Verzehr, dabei aber abhängig von der Menge. Mit Unterstützung durch Sohn Robert Stäritz konnte ich die Freunde in einer Power Point Präsentation aus Pharmakognosie Büchern, Formel- und Tabellenwerken auf eine evtl. aufkommende Diskussion am Glühweinstand vorbereiten; zudem verarbeiteten wir Ceylon Zimt! Der Umsatz ist nicht geringer gewesen als in den Vorjahren! In der Saison 2005 haben wir versucht unseren Freunden vom RC Doetinchem, die uns schon über Jahre beim Glühweinverkauf mit ihrem „Rudi Carrell-Dialekt“ unterstützt hatten, ein neues Produkt anzubieten für ihren dortigen Benefizmarkt vor der Katharinen Kirche. Dort werden allerdings eher „erwentsoep“ und „pannekoekjes“ bevorzugt und so haben unsere niederländischen Freunde den hergestellten Glühwein auf Flaschen gezogen und Interessierten verkauft.

HIER: Etikett Holland

Ansonsten ist unsere Rezeptur – außer für eine Feier von Freund Walcher beim RC Sandown (SA) – nicht aus dem Bereich des Glühweinstandes gekommen, was von Vorteil für unser Produkt gewesen ist.

Aber unser Verkaufscontainer war über die Zeit in die Jahre gekommen und so gab es 2009 eine schmucke Holzhütte als Verkaufsstand um deren Anschaffung sich Jörg Stäritz verdient gemacht hatte. Thomas Gill durfte sie zum 16. Jahr des Glühweinausschankes als Präsident einweihen. Im Jahr von Charly Kreitz (2010) wurde eine Aktion zum „Aufbessern des Betriebsergebnisses“, nämlich der „Schuss Rum“ bzw. „Schuss Amaretto“ (ich mag das Wort nicht schreiben, da dieser Zusatz nach meinem Empfinden eine Produktverschlechterung bedeutet), ganz offiziell. Eine signifikante Maximierung des Gewinns ist bislang statistisch noch nicht belegt.

HIER: Artikel WAZ Glühwein & Artikel WAZ Glühwein 2

Die Beschaffung der Zutaten hat lange Jahre Gerhard Kluge sehr verlässlich besorgt und diese Aufgabe später an Arndt Kempgens aus Altersgründen übergeben. 2012 habe ich zum 19. Mal die Gewürze für die Aktion gemischt, meine Apotheke hatte ich im Juni 2010 geschlossen und dann Thomas Gill, als Berufskollegen, gebeten die Gewürzmischung herzustellen, was er auch bereitwillig übernommen hat über drei Jahre unter Wahrung des Geheimnisses um die Zusammensetzung der Gewürze. Nun stellt Jamal Aoulad Ali, als Apotheker, die Gewürze für den jährlichen Glühweinverkauf zur Verfügung und da 2020 die Aktion Corona bedingt ausfallen musste, haben wir die Gewürze schonend vermahlen – unter Beobachtung der entstehenden Temperatur- und mit Axel von Vorst so proportioniert abgewogen und den Freunden zum Kauf angeboten, dass ein jeder seinen „kleinen Topf Glühwein“ zu Hause ausschenken konnte.

HIER: Etikett Deutschland

Hoffentlich geht es bald wieder gemeinsam los!!!

Und ich zitiere nochmal Herrn Lossau (s.o.):

„Wenn Sie aber mal einen besonderen Glühwein genießen wollen, dann stellen Sie ein Glas Ihres Lieblingsweines, einfach ohne Zusatz, in die Mikrowelle und erwärmen vorsichtig auf Trinktemperatur. Dann haben Sie nicht nur sieben, sondern 12 bis 14 Prozent Alkohol und das wunderbare, volle Aroma.“

Aber das ist kein rotarischer Glühwein, macht keine große Arbeit und nur der Einzelperson etwas Freude, gibt auch kein Gemeinsamkeitsgefühl und keine zufriedenen Glühweinstandbesucher!

im September 2021, Gerd Büsch

Glühweinstand Eindrücke

1996

Glühweinstand - wie alles begann

2011

2019